Prominente Glückwünsche für hilfsbereite Blankenhainerin Thüringer Allgemeine vom 09.06.2017

Prominente Glückwünsche für hilfsbereite Blankenhainerin

Blankenhain. „Glückwunsch der Blankenhainer Tafel als Mutter aller Thüringer Tafeln!“ Selbst der Schriftsteller Landolf Scherzer, der in der Nähe von Suhl lebt, hatte sich gestern im Blankenhainer Schloss angesagt, um dem dortigen Tafelverein zum 20. Geburtstag zu gratulieren. Wie sein Bezug zu den Helfern in der Lindenstadt zustande kam, verrät Scherzer in seinem 2010 erschienenen Buch „Letzte Helden“. Fürs Publikum des Jubiläums fasste der 76-Jährige die Geschichte kurz zusammen.

Um den Stoff für eine Episode seiner „Letzten Helden“ zu recherchieren, hatte er 2009 ein Praktikum bei der Eisenacher Tafel geleistet. Da Blankenhain Logistikzentrum für die anderen Thüringer Tafeln und mithin Umschlagplatz für Lebensmittel ist, führte Scherzers Weg seinerzeit auch ins Weimarer Land – um hier einen Zentner Fischfilet, chinesische Beutelsuppen und Waffeln abzuholen. Wo Blankenhain liegt, habe er damals nicht gewusst. Ein Kollege bedeutete ihm: „Gleich bei München.“

Mochte diese Erstinformation den Schriftsteller vielleicht noch irritiert haben, nahmen ihn die Blankenhainer sofort für sich und ihre Sache ein. Der dortigen Tafel und deren Gründerin Beate Weber-Kehr setzte Landolf Scherzer denn auch ein Denkmal zwischen Buchdeckeln.

Auch musikalische Geburtstagsgrüße durfte die Blankenhainer Tafel gestern entgegennehmen. Christina Rommel, für die neben ihrer eigenen Karriere immer auch soziale Projekte wichtig sind, sang für die Jubilare und deren Gäste im Saal.

Und schließlich folgte auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow der Einladung in die Lindenstadt. „Er war 2009 der erste Landtagsabgeordnete, der uns bei unserer temporären Tafel im Landtag mit einem Lebensmittelpaket unterstützte“, betonte Beate Weber-Kehr.

„Dieser Ort ist deshalb so wichtig, weil hier keiner das Gefühl haben muss, dass er weniger wert ist als der andere“, sagte Ramelow über die Tafel. Er sei in sehr bescheidenen Verhältnissen groß geworden. „Da aber sämtliche Nachbarskinder auch arm waren, wurde keiner ausgegrenzt“, so der Ministerpräsident. Auch als Retter von Lebensmitteln leiste die Tafel immense Dienste. „Als gelernter Einzelhandelskaufmann war ich selbst mal Filialleiter bei Rewe. Und auch wir haben damals einfach Essen auf die Müllhalde geschmissen – weil es noch keine Alternative gab, wie sie heute die Tafeln bieten“, sagte Ramelow.

Als die Blankenhainer Tafel am 27. Mai 1997 gegründet wurde, war sie die 82. im gesamten Bundesgebiet. Heute gibt es weit über 900. Die Lindenstädter Tafel unterhält Ausgabestellen in Blankenhain, Bad Berka, Kranichfeld sowie Teichel, ist mobil in Kottendorf, Thangelstedt, Lohma, Niedersynderstedt, Söllnitz und Magdala vertreten und organisiert einen Bringedienst für Kranke und Gehbehinderte. Acht Schulen der Region beliefert sie zudem mit gesundem Frühstück.

Jens Lehnert / 09.06.17